13.06.2019

Die Historie zur Rhein in Flammen

Die Tradition geht auf das Jahr 1756 zurück

In Deutschland gibt es alljährlich hunderte oder gar tausende Feuerwerke, aber nur wenige haben eine so lange Tradition und eine solch große Ausstrahlungskraft wie „Rhein in Flammen“ in Koblenz.

Feuerwerke haben ihren Ursprung in Asien. Seit dem 12./13. Jahrhundert fanden bereits in China und Japan Feuerwerke statt. Sie bekundeten immer eine persönliche Verehrung gegenüber dem Kaiser und den Göttern. Noch heute sind die Räucherstäbchen in den Hindu-Tempeln und Shinto-Schreinen ein Verehrungszeugnis vergleichbarer Art. Durch ähnliche Veranstaltungen im barocken Frankreich von Ludwig XIV., entwickelte sich diese Tradition auch in Deutschland. An den Höfen der Residenzen, des 18. Jahrhunderts, wurden Feuerwerksveranstaltungen große Mode und galten dem Herrscher, dem Fürsten oder dem König.

Die Tradition von „Rhein in Flammen“ am Mittelrhein kann auf das Jahr 1756 zurückgeführt werden. Damals kam der neu gewählte Trierer Kurfürst, Johann Philipp von Walderdorff zum „Antrittsbesuch“ in seine Residenz Koblenz, wo er im Schloss Ehrenbreitstein wohnte. Ihm zu Ehren führte die Stadt Koblenz eine große Feuerwerksveranstaltung durch.

Auf einer Originalzeichnung ist in lateinischer Schrift zu lesen, dass Koblenz die Stadt sei, „in der Neptun zwei Flüsse vereinigte“. Die Zeichnung enthält in mehreren Schriftblöcken die exakte Abfolge des Feuerwerks. Dabei befand sich der Kurfürst auf seiner Jacht vor dem Ehrenbreitsteiner Ufer. In der Mitte des Flusses, gegenüber dem heutigen Deutschen Eck, befanden sich drei mit Musketen beladene Schiffe. Von dort feuerte die Artillerie aus Musketen, Signalraketen und Feuerwerke in die Luft.

Am Neuendorfer Ufer, etwa dort wo sich heute der Campingplatz befindet, lag ein Barocker Garten. Eine ganze Batterie von Holzgestellen war dort errichtet, von der aus ebenfalls Feuerwerke, natürlich per Hand, gezündet wurden. 12 Kanonenschüsse bildeten den krönenden Abschluss.

Hochzeitreise der Queen Victoria

Rund 90 Jahre später, am 14. August 1845, wurde diese Veranstaltung durch die Hochzeitreise Queen Victorias aus England, auf einem Dampfer nach Koblenz, gewaltig übertroffen. Die Dampferfahrt führte die Königin und Prinz Albert auf der Fluss-Jacht „Fairy“ von Köln über Bonn nach Stolzenfels. Die Königin war ganz hingerissen von der Kulisse und bestand darauf, den ganzen Tag auf dem Vorderdeck des Schiffes zu sitzen.

Am Nachmittag erreichte ihr Schiff Koblenz und wurde mit Kanonenschüssen und Gewehrsalven von der Festung Ehrenbreitstein begrüßt. Unterhalb von Stolzenfels, wo die königliche Familie wohnen sollte, verließ man das Schiff. Den Abschluss des Tages bildete eine große Illumination und ein Feuerwerk. Ab 22:00 Uhr wurden alle kleinen Ortschaften und Burgen in der Koblenzer Umgebung erleuchtet und Raketen stiegen in den klaren Himmel auf.

Rat und Bürger der Stadt waren mit sieben Schiffen nach Stolzenfels gefahren. Die englischen Korrespondenten waren von diesem Feuerwerk so fasziniert, dass sie es als das Beste bezeichneten, was sie je gesehen hatten. 

Gemeinschaftlicher Schiffskorso

Für die Jahrzehnte danach gibt es keine lückenlose Beschreibung von Feuerwerken am Mittelrhein. Ende der 20er Jahre gab es vereinzelt Feuerwerke von den Burgen, Schlössern und den Rheinorten. Zusammengefasst zu einer großen Gemeinschaftsveranstaltung mit einem Schiffskorso wurde das Ganze in den dreißiger Jahren.

Nach den Unterlagen aus dem Koblenzer Stadtarchiv wurde nach der Wirtschaftskrise, im Jahre 1931, eine Rheinbeleuchtung mit 20 einzelnen Veranstaltungen durchgeführt. Auf Anregung des damaligen Direktors des Landesverkehrsverbandes Nordrhein, Kunibert Ochs, erstrahlte 1931 auf einer Länge von damals schon 26 Stromkilometern das Rheinufer zwischen Linz und Bad Godesberg im Glanz bengalischer Lichter. „Rhein in Flammen am Siebengebirge“, so das damalige Motto, erfuhr zu unterschiedlichen Jahreszeiten eine jährliche Neuauflage.

Magneten für Touristen und Einheimische

Waren es zu Zeiten der Kurfürsten vom Militär durchgeführte Feuerwerke, so haben sich diese zu Feuerwerksveranstaltungen heute zu Magneten für Touristen und Einheimische entwickelt. Leider wurden dann im Dritten Reich diese Veranstaltungen auch als politische Demonstration und zur Attraktivitätserhöhung der KDF-Rheinfahrten genutzt. Im Jahre 1939 erstarb die Vorkriegsgeschichte von Rhein in Flammen.

Nach dem Krieg, im Jahre 1956, begründeten der damalige Koblenzer Oberbürgermeister Josef Schnorbach und sein Freund, Ministerpräsident Peter Altmeier, die Veranstaltung neu und beauftragten den Fremdenverkehrsverband Rheinland-Pfalz mit der Organisation dieser Großveranstaltung.

Vorausgegangen waren bereits Rhein in Flammen-Illuminationen an der Loreley (1948) und im Raum Linz/Siebengebirge (ab 1945). 1958 wurde die Veranstaltung auf den zweiten Samstag im August verlegt, weil damals am ersten Samstag im August immer der „Große Preis von Deutschland“ auf dem Nürburgring ausgetragen wurde.

Größter Fahrgast-Schiffskonvoi Europas

In Raum Koblenz entwickelte sich das Spektakel inzwischen zur größten Veranstaltung dieser Art. Die Großveranstaltung „Der Rhein in Flammen“ lockt alljährlich Hunderttausende nach Koblenz und an die Fahrstrecke zwischen Boppard, Spay, Braubach, Lahnstein, Brey, Rhens und Koblenz. Es ist die bedeutendste Feuerwerksveranstaltung mit dem größten Fahrgast-Schiffskonvoi Europas und vielleicht sogar der Welt.

17 Kilometer lang ist die Beleuchtungsstrecke, für die die großen Schiffe genau 70 Minuten Fahrtzeit benötigen. Der Schiffskonvoi ist bis zu 5,5 Kilometer lang. Für das Abbrennen der Feuerwerke auf der Strecke und dem Großfeuerwerk in Koblenz von der Festung Ehrenbreitstein, die im Übrigen durch umweltverträgliche Bengalfeuer an den Ufern und an den Burgen unterstützt werden, ist ein Höchstmaß an Präzision erforderlich.

Jeder Gast soll auf dem ersten, wie auf dem letzten Schiff im Konvoi in den Genuss der Feuerwerksbeleuchtung kommen. Wie bereits 1756 gilt auch heute noch ein minutiös ausgeklügelter Signalplan mit 17 Einzelsignalen.

Die Mottos: Von "Flower Power" und "Zauber der Verwandlung"

Die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz prägte auch die Veranstaltung „Rhein in Flammen“. Anlässlich zum Großereignis lautete das Motto „Flower Power“ und so dominierten Blumen- und Blütenmotive bei den acht Großfeuerwerken entlang der Strecke. Das große Abschlussfeuerwerk am Deutschen Eck – mit Highlights wie einem Blinkblütenregen und einem flimmernden Palmengarten – wurde dabei von bekannten Klängen aus der Flower-Power-Epoche untermalt. Schon 2010 zuvor wurde mit dem Motto „Zauber der Verwandlung“ auf die kommende Bundesgartenschau 2011 hingewiesen.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des UNESCO Welterbes Oberes Mittelrheintal zauberten 2012 internationale Feuerwerke mit Musikuntermalung ein „Kulturfeuerwerk“ der besonderen Art ins Mittelrheintal. Ob Deutsches Feuerwerk mit gleißenden Silberkometen in Spay, Tricolor-Feuerwerk in den französischen Farben in Braubach, italienisches Feuerwerk in Rhens, spanisches Brokat-Feuerwerk in Stolzenfels, fernöstliche Feuerwerkskunst in Lahnstein oder schließlich das große internationale Abschluss-Feuerwerk von der Festung Ehrenbreitstein.

Zusätzlich wurden mit 50.000 blauen Leuchtstäben, die eigens für das Jubiläum hergestellt wurden, die Städte sowie die Gemeinden verbunden und die Ufer in ein blaues Lichtermeer verwandelt.

Dreitägiges Koblenzer Sommerfest

Mit dem dreitätigen „Koblenzer Sommerfest“ wurde im Jahr 2012 zudem das Koblenzer Landprogramm zu „Rhein in Flammen“ neu konzipiert. Mit dem Motto „Auf zu neuen Ufern“ war das Fest nicht nur als Neuanfang, sondern in Bezug auf die BUGA 2011 auch als nachhaltige Nutzung der ehemaligen BUGA-Flächen gedacht.

So entstanden ein genre- und generationsübergreifendes Programm mit der Leichtigkeit einer Sommerparty sowie mit einem hochwertigen kulturellen Angebot an den neuen Rhein- und Moselufern.

Auch 2014 wurde die 59. Auflage des Originals ein flammendes Fest für die Sinne. Dann zaubert „Rhein in Flammen“, unter dem Motto „UNESCO-Welterbe in Deutschland – Natur, Städte und Denkmäler“, wieder bunte Lichter in den nächtlichen Himmel des Oberen Mittelrheintals. Im Jubiläumsjahr 2015 erfand sich das Feuerwerk-Spektakel wieder einmal neu und wartete mit besonderen Feuerwerkeffekten auf, die bislang so in Deutschland noch nicht zu sehen waren.

Kategorie: Kultur, Rhein in Flammen

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